Volkswagens Fun Theory als perfekte virale Kampagne

Virale Werbung ist ja seit einer Weile das Ding in der Werbeindustrie. Egal ob Ein-Mann-Betrieb oder internationale Agentur – Alle versuchen zu ergründen, wie Werbebotschaften geschaffen sein müssen, damit sie sich schnell und kostengünstig durch die Konsumenten selbst verbreiten. Volkswagen bzw. einer vom Unternehmen in Schweden beauftragten Agentur ist in dieser Hinsicht gerade ein großer Wurf gelungen. Denn während bisher virale Kampagnen hauptsächlich auf den Lacheffekt ausgelegt waren, bringt das Projekt “The Fun Theory” (Webseite: rolighetsteorin.se/en/)  noch ganz pfadfinderesk den “Guten Zweck” ins Spiel. Dahinter steckt:

“the thought that something as simple as fun is the easiest way to change people’s behaviour for the better. Be it for yourself, for the environment, or something entirely different, the only thing that matters is that it’s change for the better.”

Und wie soll das funktionieren? Nun, bislang finden sich zwei Beispiele die mich an typische Experimente von Geeks aus meinem Bekanntenkreis erinnern. Z.B.: Hey! Was wäre, wenn wir die Stufen einer Treppe zu den Tasten eines riesigen Pianos machen würden?

Antwort: Es würden 66 Prozent mehr Leute die Treppe der daneben befindlichen Rolltreppe vorziehen, als zuvor.

Und hey! Was wäre, wenn wir in einen Abfallkorb eine Anlage einbauen würden, die bei Benutzung einen langen und lustigen Fallton erzeugt, so als ob der Abfallkorb unendlich tief ist?

Antwort: Es würde mehr als doppelt soviel Müll darin landen, wie in den umliegenden Abfallkörben.

Natürlich muss man erstmal nüchtern ausrechnen, ob sich wirklich aus diesen Beispielen ein relevanter Nutzen für die Umwelt ergeben wird. Denn eine Piano-Treppe mag beim ersten Gebrauch einen lustigen Effekt haben und tatsächlich Energie sparen, wenn die Rolltreppe daneben mit einem Bewegungssensor verbunden ist, aber ob langfristig die Pendler sich nicht doch sattgespielt haben und nach einer Weile wieder komplett auf die Rolltreppe umsteigen, wäre zu beweisen.

Genauso die Geschichte mit dem Abfalleimer, der einen lustigen Sound erzeugt und dafür aber sowohl eine technische Installation benötigt, als auch Energie verbraucht. Wenn allerdings eine derartige Anlage in Großserie hergestellt werden würde, die sich mit einem Sonnenkollektor selbst auflädt und beim Mülleinwurf einen von 5 oder 10 Sounds ausgibt wie ein simples “Danke” oder einen “netten Spruch”, dann könnte die Idee aus meiner Sicht vielleicht sogar im Großeinsatz praktikabel sein.

Was bleibt ist die Bereitschaft eines Unternehmens, den Konsumenten seiner Werbung Spaß zu bereiten und dabei auch unkonventionellen neuen Werbeformen offen gegenüber zu stehen. Zudem finde ich die Platzierung des Firmenlogos am Ende der Videos und klein auf der entsprechenden Seite dezent und gelungen.

Wie ich übrigens beim Suchen herausfand, steckt hinter der Kampagne die Stockholmer Sektion der weltweit agierenden Agentur Tribal ddb (tribalddb.com). Deren deutscher, in Hamburg ansässiger Ableger hat u.a. bereits mit dem ebenfalls für Volkswagen werbenden Horst-Schlämmer-Blog einen Erfolg im viralen Segment zu verbuchen, an den sich die meisten deutschen Internetnutzer erinnern werden. Sebastien hat sich auf dem werbeblog.li ebenfalls mit den Videos beschäftigt und gibt dabei auch noch ein paar zusätzliche Informationen zum Hintergrund und zur Geschichte der Agentur.

Die  vor fünf Tagen online gestellte Episode mit der Treppe ist bereits 1,5 Millionen Mal angesehen worden, die Episode mit dem Abfalleimer immerhin schon 130.000 Mal. Da sich mit der Aktion ein Wettbewerb verbindet, bei dem jeder Nullachtfünfzehn-Nutzer selbst Videos zu eigenen Ideen einsenden kann, dürfen wir gespannt sein, wie sich die Kampagne weiter entwickelt. Ein drittes Video mit der Ankündigung einer “Bottle Bank Arcade Machine” ist bereits online.

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